Frauen und IT - passt das?

Der Anteil an Frauen in der IT ist zwar steigend, jedoch ist die Branche definitiv von Männern dominiert – dabei war der Beruf der Softwareentwicklung ursprünglich ein Frauenberuf. Wie kam es dazu, was hat sich seitdem verändert und welche Frauen sind nicht mehr aus dieser Branche wegzudenken?

Während des 2. Weltkriegs befassten sich fast ausschließlich Frauen mit dem Programmieren und durch die Verknappung männlicher Arbeitskräfte konnten Frauen höhere Tätigkeiten in Bezug auf das Programmieren wahrnehmen. Ada Lovelace, britische Mathematikerin (1815-1852), war mit ihrem Beitrag zur Entwicklung der Analytical Engine die erste Programmiererin der Geschichte. In dieser Zeit war der Zugang zu Bildung für Frauen nicht alltäglich und daher nur mit hohem Ehrgeiz und Durchhaltevermögen möglich. Dies bewies Ada Lovelace und so wurde sogar die in den 1970er Jahren entwickelte Programmiersprache Ada nach ihr benannt. Grace Hopper (1906-1992), US-amerikanische Informatikerin und Computerpionierin, schuf 1949 den ersten Compiler, der Quellcode in Maschinencode übersetzte und setze hiermit einen Meilenstein in der Geschichte der Informatik. Außerdem programmierte sie den Mark I Computer, der während des 2. Weltkriegs zum Bau der amerikanischen Atombombe beitrug. In einem Interview in den 60er Jahren sagte sie, „Programmieren ist wie Abendessen zubereiten“ und betonte, Frauen seinen regelrechte „Programmiertalente“ da sie das nötige Auge zum Detail und die benötigte Geduld mitbringen.

Wie kam es also das die Branche heute primär mit Männern assoziiert wird? Eignungstests, wie der wohl bekannteste von IBM 1967, bevorzugten durch ihren starken Fokus auf in einer Ausbildung zu erlangenden mathematischen Fähigkeiten, vor allem Männer. Zudem entstanden Persönlichkeitsprofile, die zu einem Rückgang von Frauen in der IT führten.

Trotzdem ließen sich einige wenige Frauen nicht unterkriegen und trugen weiterhin im erheblichen Maße zur Prägung der IT-Branche bei. Jean E. Sammet publizierte 1969 mit „Programming languages: history and fundamentals“ ein Werk, welches heute als Standardwerk der Programmiersprache gilt. Radia Perlman trat erstmals durch die Erfindung des Spanning Tree Protocol Algorithmus in Erscheinung, welcher 1990 zum IEEE 802.1D Standard erklärt wurde.

Und auch im 21. Jahrhundert erzielten Frauen nennenswerte Ergebnisse in der IT, wie Jade Raymond mit der Entwicklung von Gaming Erlebnissen, wie unter anderem „Die Sims“. Marissa Mayer, auch „Googirl“ genannt (da sie die erste Technikerin bei Google war) und mittlerweile ehemaliger CEO von Yahoo, wurde von Newsweek unter die Top „10 Tech Leaders of the Future“ gewählt. Mit ihren Fähigkeiten als Programmiererin und zeitgleicher Weiblichkeit, die 2013 zu der Frage „Too sexy for IT?“ führte, ist sie das Vorbild vieler ITler:innen. So auch von der erst 24 Jahre alten Aya Jaff, die bereits ihr eigenes Unternehmen gegründet hat, auf der "Forbes Top 30 under 30"-Liste steht und Deutschlands bekannteste Tech-Queen ist. Sie meinte in einem Interview, dass Programmieren weder als typische Tätigkeit für Frauen noch als coole Fähigkeit galt, weshalb sie ihren Freundinnen verheimlichte, als sie ihre ersten Zeilen Java Code schrieb. Dennoch beschäftigte sie sich mit einer App für ihr Gymnasium, die das lästige schwarze Brett für den Vertretungsplan ersetzen sollte. Aya Jaff sieht großes Potential in der Mischung Frauen und IT und meinte: „Mit mehr Coderinnen hätte es sicher früher eine Menstruations-App gegeben.“

Eine aktuelle Studie belegt (Beckert, 2020), dass die Anforderungen an ITler:innen gut mit den mit Frauen assoziierten Eigenschaften einhergehen. Charaktereigenschaften wie Perfektionismus, Neugier und Proaktivität sowie soziale Kompetenzen werden als wichtig erachtet. Außerdem sind emotionale Intelligenz und kognitive Kompetenzen, wie Fachkompetenz, Problemlösefähigkeit und Lernfähigkeit nötig, um gute Programmiererlösungen zu schaffen. Daher sollten wir uns ein Beispiel an den IT Women der heutigen und vergangenen Zeit nehmen und aufhören in Schubladen zu denken, sondern unsere Fähigkeiten und Interessen in den Vordergrund stellen, um die IT in der heutigen Zeit mit geballter genderneutraler Power voranzutreiben.


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